Die Tatsache geschlechtlicher Bed?rfnisse bei Mensch und Tier dr?ckt man in der Biologie durch die Annahme eines Geschlechtstriebes aus. Man folgt dabei der Analogie mit dem Trieb nach Nahrungsaufnahme, dem Hunger. Eine dem Worte Hunger entsprechende Bezeichnung fehlt der Volkssprache; die Wissenschaft gebraucht als solche Libido. Die popul?re Meinung macht sich ganz bestimmte Vorstellungen von der Natur und den Eigenschaften dieses Geschlechtstriebes. Er soll der Kindheit fehlen, sich um die Zeit und im Zusammenhang mit dem Reifungsvorgang der Pubert?t einstellen, sich in den Erscheinungen unwiderstehlicher Anziehung ?u ern, die das eine Geschlecht auf das andere aus?bt, und sein Ziel soll die geschlechtliche Vereinigung sein oder wenigstens solche Handlungen, welche auf dem Wege zu dieser liegen. Wir haben aber allen Grund, in diesen Angaben ein sehr ungetreues Abbild der Wirklichkeit zu erblicken; fa t man sie sch?rfer ins Auge, so erweisen sie sich ?berreich an Irrt?mern, Ungenauigkeiten und Voreiligkeiten. F?hren wir zwei Termini ein: hei en wir die Person, von welcher die geschlechtliche Anziehung ausgeht, das Sexualobjekt, die Handlung, nach welcher der Trieb dr?ngt, das Sexualziel, so weist uns die wissenschaftlich gesichtete Erfahrung zahlreiche Abweichungen in bezug auf beide, Sexualobjekt und Sexualziel, nach, deren Verh?ltnis zur angenommenen Norm eingehende Untersuchung fordert.
| Author: Sigmund Freud |
| Publisher: Culturea |
| Publication Date: Feb 25, 2023 |
| Number of Pages: 88 pages |
| Binding: Paperback or Softback |
| ISBN-10: NA |
| ISBN-13: 9791041909209 |